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Erbschaftssteuer in Deutschland - Infos, Höhe und Fristen

  • Redaktion Erbrechtsinfo.com
Modellhaus liegt auf Taschenrechner
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Die Erbschaftssteuer bezeichnet im Unterschied zur Schenkungssteuer die Steuer, die Erben bei der Übernahme eines Nachlasses zu entrichten haben. Doch im Zuge der Erbschaft ergeben sich viele steuerliche bzw. steuerrechtliche Fragen wann überhaupt die Erbschaftssteuer in Deutschland anfällt, wie hoch die Erbschaftssteuer ist und welche Fristen man beachten muss. In unserem Beitrag erfahren Sie alles zum Thema Erbschaftssteuer in Deutschland, sowie zum Berechnen der Erbschaftssteuer, Praxisbeispiele und Steuer Tipps.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Erbschaftssteuer in Deutschland wird durch das Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz geregelt. Die Erbschaftssteuer wird von den Ländern, nicht vom Bund erhoben.
  • Wie hoch die Erbschaftsteuer ausfällt, hängt zum einen vom Steuerfreibetrag und zum anderen von der Höhe des Erbes ab.
  • Das Gesetz teilt die Erben in drei Steuerklassen ein. Die Steuersätze innerhalb der Steuerklassen sind abhängig von der Höhe des Erbes.
  • Durch Schenkungen zu Lebzeiten kann man die Erbschaftssteuer umgehen, zumindest teilweise.
  • Kindern bis zu einem Alter von 27 Jahren und Ehepartnern beziehungsweise eingetragenen Lebenspartnern steht über den Freibetrag hinaus ein sogenannter Versorgungsausgleich zu. Dieser ist ebenfalls von der Erbschaftssteuer befreit.
  • Erben sind zur Meldung des Erbes beim zuständigen Finanzamt verpflichtet. Fordert das Finanzamt die Erbschaftssteuer nicht innerhalb von vier Jahren ein, so verjährt sie.
  • Eine steueroptimierte Nachlassplanung mit einem Anwalt für Erbrecht kann dabei helfen, die Erbschaftssteuer drastisch zu reduzieren.

Wie hoch ist die Erbschaftssteuer in Deutschland?

Bei der Übernahme eines Erbes muss der Erbe beziehungsweise jedes Mitglied einer Erbengemeinschaft eine Steuer entrichten, die sogenannte Erbschaftssteuer. Nach dem Erbrecht in Deutschland ist die Erbschaftssteuer Höhe von zwei Faktoren abhängig: dem Verwandtschaftsgrad und der Höhe des Erbes. Je enger das verwandtschaftliche Verhältnis, desto niedriger ist die Erbschaftssteuer;  jedoch steigt die Erbschaftssteuer mit der Höhe des Nachlasswertes. 

Die gesetzliche Grundlage für die Erbschaftssteuer in Deutschland bildet das sogenannte Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz. Neben den Regelungen zur Erbschaftssteuer finden sich hier auch alle Bestimmungen zu Schenkungen und der damit verbundenen Schenkungssteuer.

Erbschaftsteuer Freibetrag

Bei der Erbschaftssteuer gibt es sogenannte Freibeträge, auf die keine Erbschaftssteuer zu entrichten sind. Der Erbschaftssteuer Freibetrag richtet sich nach dem verwandtschaftlichen Verhältnis. Die Erben werden in drei Steuerklassen eingeteilt:

  • Zu der ersten Steuerklasse zählen der Ehepartner / eingetragene Lebenspartner und die Nachkommen des Erblassers sowie die Eltern und Großeltern.
  • Zur zweiten Steuerklasse zählen die Geschwister und Nichten und Neffen des Erblassers und Stiefeltern und Schwiegerkinder.
  • Zur dritten Steuerklasse zählen nicht verwandte Freunde und Bekannte.

Innerhalb der Steuerklassen kann sich der Freibetrag für die Erbschaftssteuer nochmals unterscheiden; so ist der Erbschaftssteuer Freibetrag für Kinder anders als der für Ehegatten. Im Folgenden sehen Sie die Unterschiede in unserer Erbschaftssteuer Freibetrag Tabelle:

Person

Freibetrag in €

Ehepartner / eingetragener Lebenspartner

500 000

Leibliche Kinder

Adoptivkinder

400 000

Enkelkinder

200 000

Sonstige Nachkommen / Eltern / Großeltern

100 000

Geschwister, Neffen, Nichten

20 000

Alle aus Steuerklasse III

20 000

Wenn Sie detailliertere Informationen zum Erbschaftssteuer Freibetrag erhalten möchten, sind Sie hier auf Erbrechtsinfo.com richtig. Mit unserem Erbschaftsteuer Rechner können Sie sich zudem über die Höhe Ihrer Erbschaftssteuer informieren. 

Wenn Sie ein direktes Anliegen oder weitere Fragen haben, nehmen Sie Kontakt zu einem unserer Experten für Erbrecht auf. Diese helfen Ihnen nicht nur bei der Erbschaftssteuer weiter, sondern bei allen Erbrechtsthemen wie zum Beispiel der gesetzlichen Erbfolge oder dem Erbverzicht oder wenn Sie ein Testament erstellen oder einen Erbvertrag aufsetzen möchten.

Erbschaftssteuersatz

Mit dem sogenannten Erbschaftssteuersatz ist die Höhe der gesetzlich festgelegten Abgaben gemeint, die ein Erbe bei Antritt des Erbes zu zahlen hat. Die genaue Höhe der Abgaben wird im Erbschaftssteuergesetz geregelt. Sie ist abhängig von der Höhe des Nachlasses und dem verwandtschaftlichen Verhältnis von Erblasser und Erbe. 

Der Erbschaftssteuersatz für Kinder ist beispielsweise niedriger als der Erbschaftssteuersatz Geschwister. Dieser wiederum ist niedriger als der Erbschaftssteuersatz für nicht verwandte Personen. Die verschiedenen Erbschaftssteuerklassen haben unterschiedliche Erbschaftssteuersätze, wie Sie folgender Tabelle entnehmen können:

Erb-schaft in €

Erb-schafts-steuer Prozent Steuer-klasse I

Erb-schafts- steuer Prozent für Steuer-klasse II

Erb-schafts-steuer Prozent für Steuer-klasse III

75.000

7

15

30

300.000

11

20

30

600.000

15

25

30

6.000.000

19

30

30

13.000.000

23

35

50

26.000.000

27

40

50

Darüber

30

43

50

Entscheidend für die Höhe der Erbschaftssteuer ist also die Steuerklasse, der ein Erbe angehört. Allerdings ist zusätzlich zu beachten, dass sich die Freibeträge, wie weiter oben ausgeführt, auch innerhalb der Erbschaftssteuerklassen voneinander unterscheiden.

Versorgungsfreibetrag und die Erbschaftssteuer

Ein bestimmter Personenkreis erhält zusätzlich zum Erbschaftssteuer Freibetrag einen sogenannten Versorgungsfreibetrag. Zu diesem Personenkreis zählen die Kinder des Erblassers und der Ehepartner beziehungsweise eingetragene Lebenspartner. Doch was ist ein Versorgungsfreibetrag? Der Versorgungsfreibetrag soll die Versorgung dieser Personen nach dem Tod des Erblassers sicherstellen.

  • Ehepartnern und eingetragenen Lebenspartnern steht ein Versorgungsfreibetrag von 256.000 Euro zu.
  • Kindern zwischen 0 und 5 Jahren steht ein Versorgungsfreibetrag von 52.000 Euro zu.
  • Kinder zwischen dem 20. und 27. Lebensjahr erhalten einen Versorgungsfreibetrag von nur noch 10.300 Euro.
Hinweis:

Erhalten die Kinder beziehungsweise der Ehepartner eine Hinterbliebenenrente, so wird der Versorgungsfreibetrag gekürzt. Lassen Sie sich in einem solchen Fall von einem Anwalt für Erbrecht beraten, um bestmöglich informiert zu sein.

Mithilfe des Freibetrags bei der Erbschaftssteuer und dem Versorgungsfreibetrag kann man die Erbschaftssteuer umgehen – je nach Höhe des Erbes zumindest teilweise.

Erbschaftssteuer Haus und Immobilien

Wer ein Haus erbt, muss Erbschaftssteuer bezahlen. Allerdings fallen weder Grunderwerbssteuern noch Einkommenssteuern an. Die Höhe der Erbschaftssteuer ist abhängig vom ermittelten Verkehrswert des Hauses und natürlich vom Verwandtschaftsgrad von Erblasser und Erbe. Um die Erbschaftssteuer fürs Haus oder die Erbschaftssteuer für Immobilien zu umgehen, kann eine Schenkung zu Lebzeiten sinnvoll sein. Hier fällt zwar normalerweise eine Schenkungssteuer an.

Diese ist ebenfalls grunderwerbssteuer- und einkommenssteuerfrei. In einigen Fällen lässt sich die Schenkungssteuer jedoch komplett umgehen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Immobilie vom Beschenkten über einen Zeitraum von zehn Jahren selbst bewohnt wird. Lassen Sie sich bei Fragen zum Thema Schenkung und Schenkungssteuer am besten von einem Rechtsexperten für Erbrecht von Erbrechtsinfo.com beraten. Sie finden hier den richtigen Ansprechpartner zu allen Erbrechtsthemen und können noch heute kostenlos Kontakt aufnehmen.

Erbschaftssteuer bei Immobilien und Häusern umgehen

Doch auch für die Erbschaftssteuer bei Immobilien und Häusern gelten einige Sonderregelungen. Diese ermöglichen unter Umständen eine Freiheit von der Erbschaftssteuer. Zunächst einmal gilt, dass zur Erbschaftssteuer Berechnung bei Immobilien und Häusern nur 90 Prozent des Wertes herangezogen werden. Für Kinder des Erblassers und Ehegatten beziehungsweise eingetragene Lebenspartner müssen folgende Punkte erfüllt sein, damit für Häuser oder Immobilien keine Erbschaftssteuer anfällt:

  • Der Erblasser muss vor seinem Tod selbst in dem Haus oder der Immobilie gewohnt haben.
  • Der oder die Erben leben nach dem Tod des Erblassers mindestens zehn Jahre lang selbst in der Immobilie oder dem Haus.
  • Für Kinder, nicht für Ehegatten und eingetragene Lebenspartner, gilt zusätzlich: Die Immobilie oder das Haus darf eine Wohnfläche von maximal 200 Quadratmetern haben. Für den die 200 Quadratmeter übersteigenden Flächenanteil muss sonst in jedem Fall Erbschaftssteuer gezahlt werden.

Wenn Sie die Erbschaftssteuer fürs Haus berechnen oder die Erbschaftssteuer für Immobilien umgehen möchten, nehmen Sie Kontakt zu einem Anwalt für Erbrecht auf. Dieser berät Sie bei allen Erbrechtsthemen – seien es Fragen zur Erbschaftssteuer oder zum Pflichtteil, den Kosten eines Testaments oder der Wunsch, ein Erbe auszuschlagen.

Wertermittlung als Basis für die Erbschaftssteuer

Zur Ermittlung des Wertes einer Immobilie und damit zur Festlegung der Erbschaftssteuer gibt es verschiedene Verfahren. Welches Verfahren wann eingesetzt wird, ist abhängig davon, ob es sich um selbst genutzte oder um Mietimmobilien handelt. Bei selbst genutzten Immobilien wird das Vergleichswertverfahren, bei Mietimmobilien das Ertragswertverfahren angewendet. 

Stehen für das Vergleichswertverfahren nicht genügend Vergleichswerte zur Verfügung, gibt es letztlich noch das Sachwertverfahren. Anhand des Wertes der Immobilie oder des Hauses wird dann die Höhe der Erbschaftssteuer ermittelt. Bei Fragen zu den unterschiedlichen Verfahren zur Wertermittlung wenden Sie sich am besten an einen Anwalt für Erbrecht, der Sie umfassend und kompetent beraten kann.

Drücken Schäden an der Immobilie die Erbschaftssteuer?

Schäden an der Immobilie drücken die Erbschaftssteuer nicht. Der Bundesfinanzhof hat in einem Urteil entschieden, dass Schäden an einer Immobilie nicht als Nachlassverbindlichkeit abziehbar sind. Ausnahmen bestehen, wenn der Erblasser vor seinem Tod zur Mängelbeseitigung verpflichtet gewesen wäre. 

Hinterlässt er einem Erben beispielsweise ein Mietshaus und die Mieter machen Mängel geltend, die der Erbe beseitigen muss, können diese unter Umständen als Nachlassverbindlichkeiten gewertet werden. Hierdurch wird die Erbschaftssteuer gemindert.

Anwälte für Erbrecht finden

Wie kann ein Rechtsanwalt bei der Erbschaftssteuer helfen?

Im Erbfall und bei der eigenen Nachlassplanung ist es immer ratsam, einen Experten für Erbrecht heranzuziehen. Weil dieser sich mit den verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten der Erbschaftssteuer auskennt, kann er Sie umfassend beraten und Ihnen im Falle eines Erbstreits zur Seite stehen. In Bezug auf die Erbschaftssteuer bietet Ihnen ein Spezialist für Erbrecht folgende Vorteile:

  • Rechtssichere Beratung zur Erbschaftssteuer
  • Hilfe bei der Erbschaftssteuererklärung
  • Überprüfung des Erbschaftssteuerbescheides
  • Hilfe bei der erbschaftssteuerlichen Optimierung Ihres Nachlasses
  • Im Erbfall Beratung über die Höhe der Erbschaftssteuer und die beste Vorgehensweise für Einsparungen bei der Erbschaftssteuer

Ihren Anwalt für Erbrecht finden Sie hier auf Erbrechtsinfo.com und können noch heute eine kostenfreie Ersteinschätzung ihres Falls in Auftrag geben.

Schmuckstücke in Holzbox

Mit dem Erbschaftssteuerrechner die Erbschaftssteuer berechnen

Damit Sie schnell und unkompliziert Ihre Erbschaftssteuer Höhe berechnen können, haben wir für Sie den kostenlosen Erbschaftssteuerrechner entwickelt. Mit dem Erbschaftssteuer Rechner können Sie ganz einfach Ihre Erbschaftssteuer Berechnung vornehmen. Hier gelangen Sie zum Erbschaftssteuerrechner.

Erbschaftssteuererklärung

Wer eine Erbschaft antritt, muss eine Erbschaftssteuererklärung abgeben. Die Erbschaftsteuererklärung Formulare unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland, weil die Erbschaftssteuer nicht vom Bund, sondern von den Ländern erhoben wird. In der Regel sendet das zuständige Finanzamt dem Erben den entsprechenden Vordruck zu und setzt eine Frist zur Rücksendung. 

Allerdings ist man als Erbe dazu verpflichtet, die Erbschaft beim Finanzamt zu melden. Tut man dies nicht, riskiert man im schlimmsten Fall ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Erbschaftssteuererklärung Muster und Näheres zu Fristen, um ein Erbe beim Finanzamt anzuzeigen, erfahren Sie entweder bei Ihrem Anwalt für Erbrecht oder in unserem gesonderten Artikel Erbschaft – was muss ich tun.

Erbschaftssteuer beim Berliner Testament?

Beim Berliner Testament setzen sich Ehegatten gegenseitig als Alleinerben und ihre Kinder als Schlusserben ein. Dadurch gehen die Kinder zunächst leer aus und erben erst, wenn auch das zweite Elternteil verstorben ist.

Das Berliner Testament hat Vorteile und Nachteile. Nachteil ist, dass die Erbschaftssteuer für die Kinder dann häufig höher ausfällt, weil sie erst nach dem Tod beider Eltern eine dann oft größere Summe erben, aber trotzdem nur einen Erbschaftssteuer Freibetrag haben. Vorteil ist, dass der Ehepartner auch nach dem eigenen Tod weiterhin gut versorgt ist.

Erbschaftssteuer für Kinder umgehen

Um die hohe Erbschaftssteuer für die Kinder zu umgehen, kann mit Schenkungen gearbeitet werden, bei denen der Freibetrag für Kinder von 400 000 Euro alle zehn Jahre voll ausgenutzt werden darf. In jedem Fall gilt es, die Vorteile und die Nachteile eines Berliner Testament gut abzuwägen. Bei der Entscheidungsfindung hilft einem am besten ein Spezialist für Erbrecht, der in einem persönlichen Gespräch Ihre individuelle Situation erfasst und mit Ihnen gemeinsam eine Lösung sucht.

Häufige Fragen Erbschaftssteuer

Einige Fragen zur Erbschaftssteuer werden immer wieder gestellt. Deswegen haben wir im Folgenden alle immer wieder aufkommenden Fragen zum Thema Erbschaftssteuer für Sie zusammengetragen. Sollten noch Fragen offenbleiben, können Sie sich zu allen Themen rund ums Thema Erbrecht hier auf Erbrechtsinfo.com informieren. Im Bedarfsfall oder wenn Sie eine persönliche Beratung wünschen, finden Sie hier den passenden Anwalt für Erbrecht und können unkompliziert Kontakt aufnehmen.

Wer erhebt die Erbschaftssteuer?

Die Erbschaftssteuer wird nach dem Erbrecht in Deutschland vom Fiskus erhoben. Allerdings ist die Erbschaftssteuer nicht Sache des Bundes, sondern der Länder. Die rechtliche Grundlage für die Erbschaftssteuer in Deutschland bildet das Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz. In diesem werden alle Regelungen der Erbschaftssteuer und der ähnlich gelagerten Schenkungssteuer aufgeführt. Ob aber überhaupt eine Erbschaftssteuer erhoben wird, hängt davon ab, welcher Steuerklasse ein Erbe angehört und ob der Erbschaftssteuer Freibetrag voll ausgeschöpft worden ist.

Wer muss eine Erbschaftssteuererklärung machen?

Grundsätzlich muss jeder Erbe das zuständige Finanzamt von der Erbschaft informieren. Dies gilt unabhängig von der Höhe des Erbes und also auch unabhängig davon, ob überhaupt eine Erbschaftssteuer erhoben wird. Die Erbschaftssteuererklärung müssen Erben allerdings nicht unaufgefordert abgeben. Sie können warten, bis das zuständige Finanzamt sie dazu auffordert.

Nicht informieren müssen Erben das Finanzamt, wenn der Nachlass nur aus Geld und Wertgegenständen besteht und ein Testament beim Nachlassgericht eröffnet wurde oder ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag existiert. In diesen Fällen informieren das Nachlassgericht oder der Notar das Finanzamt. Gehört Grundbesitz oder andere Vermögen aus Betrieben oder dem Ausland zum Erbe, besteht zusätzlich seitens der Erben Meldungspflicht beim Finanzamt.

Was ist erbschaftssteuerpflichtig?

Rechtmäßig unterliegt der gesamte Nachlass der Pflicht zur Erbschaftssteuer. Ausgenommen ist hier der persönliche Nachlass, der aus Kleidung, Möbeln, sonstigem Hausrat und persönlichen Gegenständen wie Tagebücher bestehen. Was persönliche Gegenstände und Schmuck anbetrifft, gibt es allerdings hinsichtlich der Erbschaftssteuer einige Grauzonen, wie im Folgenden weiter ausgeführt wird.

Erbschaftssteuer für Schmuck, Kunst und Hausrat?

Sobald Schmuck und Kunst der Vermögenssicherung dienen, besteht auch bei solchen Gegenständen die Pflicht zur Erbschaftsteuer. Hier gibt meist das Kriterium des persönlichen Gebrauchs den Ausschlag: Wurde eine teure Uhr für den alltäglichen Gebrauch angeschafft, fällt sie unter Umständen nicht unter die Pflicht zur Erbschaftssteuer. 

Dies muss im Einzelnen von einem Gutachter entschieden werden. Viele Erben unterschlagen wertvolle Gegenstände, um die Erbschaftssteuer zu umgehen. Dies ist allerdings illegal und kann bei Entdeckung wegen Vorliegen einer Steuerhinterziehung zur Anzeige gebracht werden.

Welche Fristen gibt es für die Erbschaftssteuererklärung?

Für die Erbschaftssteuererklärung gibt es keine genaue Frist. Es besteht für Erben lediglich die Pflicht, die Erbschaft dem Finanzamt innerhalb von drei Monaten ab Kenntnis des Todes des Erblassers zu melden. 

Eine Erbschaftssteuererklärung muss erst abgegeben werden, wenn das Finanzamt die Erben dazu auffordert. Diese Aufforderung erhält dann meist eine Erbschaftssteuererklärung Frist, bis zu welchem Datum das Finanzamt die Erklärung wünscht. An diese Frist sollte sich dann auch jeder halten.

Wann ist Erbschaftssteuer verjährt?

Die Frist für die Verjährung der Erbschaftssteuer beträgt vier Jahre. Fordert das Finanzamt die Erbschaftssteuer nicht in diesem Zeitraum, können die Erben die Erbschaftssteuer behalten. Sie ist dann schlicht verjährt. Hierbei gilt es zu beachten, dass die Frist immer erst am 1. Januar des auf die Erbschaft folgenden Jahres beginnt und sowohl der Erbe als auch das Finanzamt über das Erbe informiert sein müssen.

Behörden und Banken melden die Erbschaft

Wer die Erbschaftssteuer umgehen möchte, indem er dem Finanzamt das Erbe verschweigt, sollte das besser lassen. Auch Behörden und Banken haben die Pflicht, dem zuständigen Finanzamt eine Erbschaft zu melden – normalerweise kommt eine Erbschaft also so oder so ans Licht. Kommt heraus, dass sie bewusst verschwiegen wurde, droht eine Anzeige wegen Steuerhinterziehung.

Wann fällt keine Erbschaftssteuer an?

Keine Erbschaftssteuer fällt an, wenn der jeweilige Steuerfreibetrag nicht vollkommen ausgeschöpft wird. Ehepartner können auf diese Weise beispielsweise 500.000 Euro erben, ohne dass der Fiskus zugreift. Kinder dürfen bis zu 400.000 Euro erben, ohne dass sie Erbschaftssteuer bezahlen müssen. Ein Großvater darf seinem Enkel noch 200 000 Euro vermachen, ohne dass die Erbschaftssteuer greift.

In einigen Ausnahmefällen muss keine Erbschaftssteuer gezahlt werden, obwohl der Erbschaftssteuer Freibetrag überschritten wurde. Dies ist beispielsweise bei Immobilien der Fall, die vom Erben in den auf den Erbfall folgenden zehn Jahren selbst bewohnt werden. Lassen Sie sich im Zweifelsfall von Ihrem Anwalt für Erbrecht beraten, um die für Sie bestmögliche Gestaltungsmöglichkeit bei der Erbschaftssteuer zu ermitteln.

Kann man die Erbschaftssteuer vermeiden?

Wenn man sich früh genug damit auseinandersetzt, lässt sich die Erbschaftssteuer umgehen, zumindest teilweise. Es gibt beispielsweise folgende gängige Möglichkeiten:

  • Durch Schenkungenzu Lebzeiten lässt sich die Erbschaftssteuer vermeiden. Weil auf Schenkungen auch eine Steuer anfällt, die Schenkungssteuer, gilt hier Folgendes zu beachten: Alle zehn Jahre dürfen die Freibeträge voll ausgeschöpft werden. Wer seinem Kind beispielsweise 800 000 Euro vermachen möchte und im Abstand von zehn Jahren zwei Mal eine Schenkung von 400 000 Euro vornimmt, umgeht für das Kind die Erbschaftssteuer. Würde das Kind 800 000 Euro auf einmal erben, müsste es auf 400 000 Euro Erbschaftssteuer von 11 Prozent entrichten.
  • Es gibt die Möglichkeit, gute Freunde zu adoptieren und ihnen somit zu höheren Freibeträgen zu verhelfen. Hierdurch kann die Erbschaftssteuer ebenfalls umgangen werden.

Fällt auf Schenkungen eine Erbschaftssteuer an?

Auf Schenkungen fällt keine Erbschaftssteuer an. Allerdings werden Schenkungen, die innerhalb der letzten zehn Jahre vor dem Tod des Erblassers vorgenommen wurden, wegen sogenannter Pflichtteilsergänzungsansprüche auf das Erbe angerechnet. Wer also sein gesamtes Vermögen vor dem Tod verschenkt, um den Anspruch Pflichtteilsberechtigter zu verringern, bringt die Erben in die Ausgleichspflicht. 

Pflichtteilsberechtigte, die sich durch Schenkungen an andere beim Erbe übergangen sehen, können ihren Pflichtteil einfordern. Hier entstehen nicht selten handfeste Erbstreitereien, bei denen man unbedingt einen Anwalt für Erbrecht zurate ziehen sollte.

Wie werden Wertpapiere bei der Erbschaftssteuer veranschlagt?

Wertpapiere, Aktien, Zertifikate und so weiter werden bei der Erbschaftssteuer genauso veranschlagt wie alle anderen Sachwerte. Hierbei wird der Wert des jeweiligen Wertpapieres zum Zeitpunkt des Todes ermittelt. Auf den Wert, der übrig bleibt, wenn der Steuerfreibetrag abgezogen ist, muss Erbschaftssteuer gezahlt werden.

Das Erben von Wertpapieren und Aktien kann eine Steuerfalle sein, wenn es zwischenzeitlich zu einem Crash kommt und die jeweiligen Aktien schnell an Wert verlieren. Wer Wertpapiere erbt und sich nicht gut damit auskennt, sollte unbedingt Hilfe in Anspruch nehmen und nicht unüberlegt handeln. Hier auf Erbrechtsinfo.com finden Sie Spezialisten für Erbrecht, die Ihnen im Erbfall helfen können.

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Wann ist betriebliches Vermögen von der Erbschaftssteuer befreit?

Betriebliches Vermögen ist unter bestimmten Umständen von der Erbschaftssteuer befreit. Gesetzlich festgelegt ist, dass 15 Prozent eines betrieblichen Vermögens der Erbschaftssteuer unterliegen. Eine Ausnahme besteht dann, wenn diese 15 Prozent, der sogenannte Abzugsbetrag, den Wert von 150 000 Euro nicht übersteigen. 

In diesem Fall ist auch der Abzugsbetrag von der Erbschaftssteuer ausgenommen. Was das Erbe beim Betriebsvermögen und die Erbschaftssteuer angeht, gibt es noch einige Sonderregelungen und Ausnahmen, über die Sie sich im gesonderten Artikel Erbe Betriebsvermögeninformieren können.

Erbschaftssteuer auch im Ausland?

Wenn ein Erbe im Ausland wohnt, muss er unter Umständen in Deutschland keine Erbschaftssteuer entrichten. Hierbei entscheidet vor allem der Wohnsitz über die Pflicht zur Erbschaftssteuer in Deutschland. Wohnt ein Erbe länger als fünf Jahre im Ausland, so entfällt die Steuerpflicht in Deutschland. 

Auch hier gibt es allerdings einige Ausnahmeregelungen, die unter anderem auch den Wohnort des Erblassers berücksichtigen. Ausführlich über die Erbschaftssteuer beim Erbe im Ausland informieren können Sie sich in unserem gesonderten Artikel auf Erbrechtsinfo.com

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Steueroptimierte Nachlassgestaltung mit Ihrem Rechtsanwalt für Erbrecht

Sie planen Ihren Nachlass und möchten, dass Ihre Erben möglichst wenig Erbschaftssteuer entrichten müssen? Dies ist mit einer gut durchdachten und professionell geplanten steueroptimierten Nachlassgestaltung möglich. 

Ihr Rechtsanwalt für Erbrecht kann Ihnen dabei helfen, Ihren Nachlass so zu planen, dass die Erbschaftssteuer keine Belastung für die Erben bedeutet. Die auf Erbrecht spezialisierten Rechtsanwälte wissen genau, worauf es bei der steueroptimierten Nachlassgestaltung ankommt und unterstützen Sie gern.

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